Champagne JÉRÔME BLIN

Meunier & Energie

Oberhalb von Château-Thierry, dort wo sich das Vallée de la Marne weit und offen durch die Landschaft zieht, liegt Vincelles. Ein Dorf, das weniger für große Namen steht als für stille Kontinuität. Seit dem 17. Jahrhundert betreibt die Familie Blin hier Weinbau. Generation um Generation hat sich in diese Hänge eingeschrieben, in Böden, die Meunier mit besonderer Selbstverständlichkeit tragen. Herkunft ist hier kein Konzept, sondern gelebte Realität.

Der Großvater von Jérôme Blin war 1947 Gründungsmitglied der Genossenschaft H. Blin in Vincelles. Ein Schritt, der Sicherheit bedeutete, Gemeinschaft und Struktur. Jérôme selbst hat die Region zunächst verlassen, Agrar- und Lebensmitteltechnik studiert, Abstand gewonnen. Die Rückkehr erfolgte nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung. 2010 übernimmt er den elterlichen Betrieb und beginnt im selben Moment, ihn neu zu denken.

Sechs Hektar umfasst der Familienbesitz, doch nur ein Teil davon fließt in die eigene Produktion. Rund 2,1 Hektar bewirtschaftet Jérôme für seine eigenen Champagner, was etwa 9.500 Flaschen im Jahr entspricht. Der Rest geht weiterhin an die Genossenschaft – ein bewusstes Nebeneinander von Eigenständigkeit und familiärer Geschichte.

Mit der Übernahme stellt Jérôme konsequent auf biologischen Weinbau um, 2016 ist die Umstellung vollständig abgeschlossen. Seit 2018 arbeitet er biodynamisch, teilweise mit dem Pferd. Sein Leitsatz ist dabei ebenso schlicht wie klar: Das Land gehört nicht uns, wir leihen es nur von unseren Kindern. Diese Haltung prägt jede Entscheidung im Weinberg. Eingriffe werden reduziert, Parzellen separat vinifiziert, jede Lage darf für sich sprechen, bevor sie in der Assemblage ihren Platz findet.

Meunier nimmt rund siebzig Prozent der Rebfläche ein und steht im Zentrum seiner Handschrift. Chardonnay und Pinot Noir ergänzen, dazu ein kleiner Anteil historischer Sorten wie Pinot Gris, Petit Meslier und Pinot Blanc, die in der Parzelle Les Ports als gemischter Satz verarbeitet werden. Aus dieser Vielfalt entstehen Champagner, die präzise und energetisch wirken, zupackend, ohne an Balance zu verlieren. Sie tragen den Charme des Meunier aus diesem Teil des Vallée de la Marne in sich – frisch, klar, mit einer feinen, beinahe zarten Spannung. Keine Lautstärke, sondern Bewegung.

Die Cuvées von Jérôme Blin sind keine Demonstration von Technik. Sie sind Ausdruck eines Respekts gegenüber Boden, Rebe und Zeit. Und sie erzählen leise von einem Winzer, der zurückgekehrt ist, um Herkunft weiterzudenken.



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