Champagne JEAN SERVAGNAT

Meunier & Herkunft

Unweit von Gueux und Vrigny liegt Coulommes-la-Montagne in der Petite Montagne de Reims. Ein Premier-Cru-Dorf, dessen Identität eng mit einer Rebsorte verbunden ist: Pinot Meunier. Während Chardonnay und Pinot Noir vielerorts das Bild der Champagne prägen, dominiert hier der Meunier. Rund 65 Prozent der Flächen sind mit ihm bepflanzt. Kalkhaltige Lehmböden, ein eher kühles, niederschlagsreiches Mikroklima und Weinberge, die sich oberhalb des Dorfes wie ein Amphitheater öffnen, schaffen Bedingungen, in denen diese Rebsorte Tiefe und Spannung entwickeln kann.

Jean Servagnat ist hier verwurzelt – und dennoch nicht selbstverständlich hier geblieben. Sein erster Weg führte ihn in die Wirtschaft. Er studierte Ökonomie, arbeitete in London und Paris. Erst eine persönliche Begegnung brachte eine Zäsur. Er begann, sich neu zu fragen, was Herkunft bedeutet, was Kontinuität, was Verantwortung. Es folgte ein zweites Studium, diesmal Önologie am Lycée Viticole d’Avize. Die Rückkehr nach Coulommes-la-Montagne war keine nostalgische Entscheidung, sondern eine bewusste.

Heute bewirtschaftet er rund 3,5 Hektar. Etwa 6.000 Flaschen entstehen pro Jahr. Eine Größe, die Konzentration verlangt und Nähe ermöglicht. Von Beginn an setzt er auf biologischen Anbau und orientiert sich an biodynamischen Prinzipien. Keine Herbizide, keine Insektizide. Der Weinberg soll als lebendiges System funktionieren. Sein Ideal ist ein Kreislauf, wie man ihn aus einem Wald kennt: organisches Material wird zu Humus, der Boden bleibt aktiv, die Reben tief verwurzelt. Der Ausdruck des Terroirs entsteht nicht durch Eingriff, sondern durch Balance.

Diese Haltung setzt sich im Keller fort. Die alkoholische Gärung erfolgt mit einheimischen Hefen. Ein Teil der Weine reift im temperaturkontrollierten Edelstahl, um Klarheit und Frische zu bewahren. Ein anderer Teil entwickelt sich im Holz, das Struktur und Textur einbringt. Die malolaktische Gärung wird zugelassen. Filtration vermeidet Servagnat bewusst. Auch die Dosage bleibt minimal – gerade so viel, dass sich die Weine in eine stimmige sensorische Balance fügen.

Seine Cuvées sind keine stilistischen Experimente, sondern konsequente Weiterführungen dieser Entscheidungen. Les Meuniers Insomis entsteht aus den höher gelegenen, lehmigen Kalkparzellen oberhalb des Dorfes – ein reinsortiger Meunier, der die Spannung des Mikroklimas in sich trägt. Les Galipes de Coulommes verbindet Meunier mit Pinot Noir aus sandigeren Böden und Chardonnay aus Les Vignes Dieu. Beide Champagner zeigen, dass Meunier nicht rustikal sein muss. In Coulommes-la-Montagne wird er zum präzisen Spiegel seiner Herkunft.


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