Champagne VOUETTE & SORBÉE
Kalk & Herkunft
Buxières-sur-Arce liegt im Süden der Champagne, in der Côte des Bar, wo die Landschaft weiter wirkt, weniger repräsentativ, fast zurückgenommen. Wälder rahmen die Weinberge, der Fluss Arce durchzieht die Hügel, und unter der Oberfläche zieht sich kimmeridgischer Kalk durch das Gestein – jenes geologische Band, das sich bis nach Chablis erstreckt. Die Region war lange Randgebiet im Selbstverständnis der Champagne. Doch gerade hier entstehen heute einige der eigenständigsten Stimmen.
Als Bertrand Goutherot in den 1990er-Jahren die Weinberge seiner Familie übernahm, entschied er sich gegen Kontinuität im üblichen Sinn und für eine innere Neuausrichtung. Er stellte das Gut konsequent auf biologischen und biodynamischen Weinbau um, zu einer Zeit, in der dies in der Champagne noch Ausnahme war. 1998 folgte die Zertifizierung durch Demeter und Ecocert. Für Goutherot bedeutete dieser Schritt nicht Ideologie, sondern Präzision. Der Weinberg sollte nicht kontrolliert, sondern verstanden werden. Nicht maximiert, sondern gelesen.
2001 begann er, eigene Champagner zu erzeugen. Die Begegnung mit Anselme Selosse öffnete ihm den Blick für eine kompromisslose, terroirgeprägte Lesart von Champagne. Doch VOUETTE & SORBÉE ist keine Kopie, sondern eine eigenständige Antwort auf die Böden von Buxières-sur-Arce. Der Name des Guts verweist auf zwei seiner Hauptlagen – Orte, die nicht austauschbar sind, sondern Fundament seiner Identität.
Obwohl die Côte des Bar traditionell vom Pinot Noir geprägt ist, stellte Goutherot die gängige Logik infrage. Bodenanalysen zeigten ihm, dass Teile seiner Lagen strukturell näher an Chablis Grand Cru liegen als an klassischen Pinot-Noir-Terroirs. In Ville-sur-Arce pflanzte er daher Chardonnay aus Chablis-Klonen – ein bewusster Schritt, der im Blanc d’Argile sichtbar wird. Hier geht es nicht um Konvention, sondern um die Frage: Was will dieser Boden wirklich hervorbringen?
Im Keller folgt er derselben Haltung. Jede Parzelle wird separat vinifiziert, getrennt nach Rebsorten, spontan vergoren mit natürlichen Hefen und ausgebaut in Barriques oder 400-Liter-Fässern. Die malolaktische Gärung wird nicht verhindert. Es wird weder chaptalisiert noch filtriert, nicht geschönt und nicht dosiert. Degorgiert wird traditionell „à la volée“. Viele seiner Weine stammen aus einem Jahrgang und tragen dessen Charakter unverstellt in sich. Jahrgang ist hier kein Prestigeinstrument, sondern Konsequenz der Arbeitsweise.
Die Champagner von VOUETTE & SORBÉE besitzen Kraft und Substanz, ohne laut zu sein. Sie zeigen Fülle, Dichte und oft eine leicht rauchige, erdige Tiefe, die an den Kalk erinnert, aus dem sie stammen. Gleichzeitig bewahren sie eine präzise Linienführung und eine innere Spannung, die sie klar definiert. Nichts wirkt dekorativ, nichts zufällig.
VOUETTE & SORBÉE steht für eine stille Form der Radikalität. Für Vertrauen in den Boden. Für Geduld im Keller. Für Champagner, die nicht gefallen wollen, sondern erzählen.