Champagne LARMANDIER-BERNIER

Biodynamie & Zeit

Wer durch die Côte des Blancs fährt, spürt schnell, dass hier ein anderer Rhythmus herrscht. Die Hügel wirken heller, offener, durchzogen von der weißen Kreide des Campanien, die unter der Oberfläche allgegenwärtig ist. In Vertus, Cramant, Chouilly, Oger und Avize – Namen, die wie ein stilles Versprechen klingen – bewirtschaftet die Familie Larmandier ihre Weinberge. Die Landschaft ist kein Hintergrund, sie ist Ausgangspunkt.

Seit dem 19. Jahrhundert sind die Familien Larmandier und Bernier hier verwurzelt. Das heutige Gut entstand Anfang der 1970er-Jahre durch die Heirat von Philippe Larmandier und Élisabeth Bernier. Mit Vertus als Stammsitz verband sich die Geschichte zweier Linien, die ihre Parzellen seit Generationen kennen. 1992 übernahmen Pierre Larmandier und seine Frau Sophie das Weingut – mit einer klaren inneren Entscheidung: Die Qualität eines großen Champagners beginnt nicht im Keller, sondern im Weinberg.

Schon früh verabschiedeten sie sich von Herbiziden und synthetischen Hilfsmitteln. 1999 wurde der gesamte Betrieb biodynamisch bewirtschaftet. Dieser Schritt war kein modisches Bekenntnis, sondern Ausdruck einer Überzeugung, die damals in der Champagne noch ungewöhnlich war. Alte Reben mit einem Durchschnittsalter von rund 35 Jahren, tief verwurzelt in der Kreide, sollten ohne chemische Eingriffe wachsen dürfen. Die Familie vertraut darauf, dass Vitalität im Boden sich im Glas wiederfindet.

Auf rund 18 Hektar in Premier- und Grand-Cru-Lagen – mit über 90 Prozent Chardonnay sowie kleinen Anteilen Pinot Noir und Pinot Gris – entstehen Weine, die stark von ihrer Herkunft geprägt sind. Vergoren wird ausschließlich mit natürlichen Hefen. Jede Parzelle, jedes Fass, jedes Jahr bringt seine eigene mikrobiologische Handschrift mit. Der Beginn der Gärung lässt sich nicht exakt planen; er wird begleitet, nicht erzwungen. Diese Form der Spontanvergärung bedeutet Vielfalt statt Vereinheitlichung.

Der Ausbau erfolgt getrennt nach Lagen – im Edelstahltank, im Barrique, im großen Fuder oder im Betonei. Die Grundweine reifen lange auf der Hefe, bevor sie als Champagner in den tief in die Kreide getriebenen Kellern weiter Zeit erhalten. Filtration oder Schönung finden nicht statt. Die Dosage bleibt bewusst niedrig, meist zwischen 0 und 4 Gramm pro Liter. Ziel ist nicht Reduktion um ihrer selbst willen, sondern Klarheit: Die Mineralität der Côte des Blancs soll unverstellt erfahrbar bleiben.

Die Cuvées von Larmandier-Bernier sind daher keine stilistischen Übungen, sondern präzise Übersetzungen ihrer Parzellen. Sie verbinden Frische mit Struktur, feine Textur mit einer markanten, kreidigen Spannung. Mit Arthur und Georges, die heute Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen, wird diese Linie weitergeführt. Die Familie sucht keine Effekte. Sie sucht Weine, die ihre Herkunft tragen – bis ins Glas.



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