Champagne ALEXIS

Kreide & Kosmos

Im Süden des Vallée de la Marne, dort wo sich die Hänge zwischen Troissy und Dormans öffnen und der Blick über die geschwungenen Rebzeilen gleitet, arbeitet Alexis Leconte mit leiser Entschlossenheit an seinem eigenen Kapitel. Troissy-Bouquigny ist kein lauter Ort. Es ist eine Landschaft aus Kreide, Ton und Mergel, aus verstreuten Parzellen, aus Generationen, die hier gelernt haben, den Rhythmus der Natur zu lesen.

Seit 1870 ist der Weinbau Teil der Familie Leconte. Sechs Generationen haben die Böden rund um Troissy, Mareuil-le-Port, Vandières und Aÿ geprägt. Alexis ist in diesem Gefüge aufgewachsen, hat im Betrieb seines Vaters Xavier gelernt, Parzellen zu verstehen, Jahrgänge einzuordnen und Entscheidungen nicht aus dem Bauch, sondern aus Erfahrung zu treffen. Und doch war da früh der Wunsch, eigene Wege zu gehen.

Aus siebzig Ar eigener Rebflächen entstand schließlich Champagne ALEXIS. Kein Bruch mit der Familie, sondern eine präzise Setzung. Während das elterliche Gut klassisch geführt wird, knüpft Alexis an eine ältere Selbstverständlichkeit an. In Gesprächen mit seinem Großvater erfuhr er, dass dieser nicht nur auf Spritzmittel verzichtete, sondern seine Arbeit nach den Mondzyklen ausrichtete. Für ihn war das kein Konzept, sondern gelebte Praxis. Alexis greift diese Haltung wieder auf und verbindet sie mit einer biologischen Bewirtschaftung und biodynamischen Ansätzen, die er Schritt für Schritt auf seinen eigenen Parzellen umsetzt.

Im Keller setzt sich diese Konsequenz fort. Die Grundweine vergären spontan, eine malolaktische Gärung findet nicht statt. Der Ausbau erfolgt überwiegend in 400-Liter-Tonneaux, ergänzt durch kleine Anteile in Kelleramphoren. Es ist ein Stil, der Raum lässt – für Struktur, für Herkunft, für Jahrgang.

Die Parzellen, aus denen seine Weine entstehen, sind präzise gewählt. Im Grand Vallée, im Lieu-dit La Fosse in Aÿ, entsteht mit Ageius ein Grand Cru, der die süd-südöstliche Ausrichtung und das Zusammenspiel von tonigem Oberboden und kreidigem Untergrund spürbar macht. In Troissy und Vandières widmet sich Alexis dem Meunier – jener Rebsorte, die im Vallée de la Marne allgegenwärtig ist und doch selten so differenziert gelesen wird. La Terre Mère und Arietis stammen aus unterschiedlichen Lieux-dits mit jeweils eigener Exposition und Bodenstruktur. Im direkten Vergleich wird deutlich, wie stark Alexis Terroir als eigenständige Sprache versteht.

Seine Champagner zeigen sich klar und druckvoll, mit purer Frucht und einem fein eingebundenen, leicht oxidativen Ausbau, wie er heute von einigen der aufmerksamsten Winzer der Region gepflegt wird. Die Jahrgänge treten unverstellt hervor.

Champagne ALEXIS ist kein lautes Projekt. Es ist die konzentrierte Arbeit auf wenigen Parzellen, die bewusste Rückbesinnung auf überlieferte Rhythmen und der Anspruch, Herkunft in seltener Präzision sichtbar zu machen.



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