Champagne TARLANT

Zeit & Herkunft

In Œuilly, in der Vallée de la Marne, verlaufen die Weinberge zwischen Kalkadern, Mergelbändern und sandigen Einschlüssen. Der Boden wechselt hier auf wenigen Metern, die Struktur der Landschaft ist vielschichtig, beinahe fragmentarisch. Seit 1687 bewirtschaftet die Familie Tarlant diese Parzellen. Was über Generationen hinweg als Weinbau begann, wurde 1928 unter Louis-Adrien Tarlant zur eigenen Champagnerproduktion weitergeführt – aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit und klarer Herkunft.

Die Geschichte des Hauses ist eng mit der Region verwoben. 1911 beteiligte sich Louis-Adrien an den Aufständen der Marne-Winzer – ein Ausdruck jener Haltung, die TARLANT bis heute prägt: Eigenständigkeit statt Anpassung. Heute führen Benoît und Mélanie Tarlant das Haus in zwölfter Generation. Benoît verantwortet Weinberge und Keller, Mélanie prägt die internationale Präsenz. Gemeinsam verbinden sie historische Verwurzelung mit gegenwärtiger Klarheit.

Die rund 15 Hektar verteilen sich auf mehr als fünfzig Parzellen mit jeweils eigenem Mikroklima und individueller Bodenstruktur. Pinot Noir bildet das Rückgrat, ergänzt von Chardonnay und Meunier. Hinzu kommen kleine Bestände historischer Sorten wie Arbanne, Petit Meslier, Pinot Blanc und Pinot Gris – Relikte einer älteren Champagne, die hier bewusst bewahrt werden. Jede Parzelle wird separat gepresst und vinifiziert. Herkunft ist bei TARLANT keine abstrakte Idee, sondern eine konkrete geographische Realität.

Bereits in den 1980er-Jahren begann Jean-Mary Tarlant, Zéro-Dosage- und Einzellagen-Champagner zu produzieren – zu einer Zeit, in der diese Stilistik kaum verstanden wurde. Was damals als radikal galt, bildet heute den Kern der Identität des Hauses. Geringe oder keine Dosage bedeutet hier nicht Strenge, sondern Transparenz. Die Weine sollen ihre Struktur zeigen dürfen.

Im Keller folgt Benoît einer klaren Linie. Der biologische Säureabbau wird vermieden, um die natürliche Spannung der Weine zu bewahren. Säure ist für ihn kein technisches Detail, sondern tragendes Element. Ein Großteil der Moste vergärt in Holz, ein kleiner Teil in Amphoren. Das Holz dient der Textur, nicht der Aromatik. Es soll Komplexität hinzufügen, ohne zu dominieren. Die Hefereife ist außergewöhnlich lang und reicht je nach Cuvée von fünf bis zu zwanzig Jahren. Zeit ist hier kein Versprechen, sondern Arbeitsgrundlage.

Die Cuvées von Champagne TARLANT sind eigenständig, tiefgründig und oft fordernd. „La Vigne d’Antan“ entsteht aus wurzelechten Chardonnay-Reben der Lage Les Sables. „Argilité“ trägt die Spur der Amphoren in sich. Jede Cuvée ist das Ergebnis einer präzisen Entscheidungskette – von der Parzelle bis zur Dosage.

Diese Champagner wirken strukturiert und substanzreich, mit salziger Spannung und bemerkenswerter Länge. Sie entfalten ihre Dimension besonders in der Verbindung mit Speisen und zeigen mit zunehmender Reife zusätzliche Facetten. TARLANT bleibt dabei stets konsequent: Herkunft soll nicht interpretiert, sondern freigelegt werden.



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